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Petrischalen Nährboden herstellen – Zu Hause Agarplatten selber machen
Um einen Abklatsch von pasteurisierten Eiern zu nehmen, habe ich mir einen Nährboden für Petrischalen selber gemacht.
Vom Herstellen des Nährbodens, bis zum Kultivieren der Bakterien, ein spannendes Experiment.
Diese Petrischalen dienen zwar nicht der Probennahme, für die man genormte Petrischalen mit entsprechenden Nährböden benötigt, zum Experimentieren zu Hause reicht es aber aus.
Ich möchte darauf hinweisen, dass das Experimentieren mit Bakterien durchaus gefährlich ist.
Ich empfehle vor dem Experimentieren die Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht zu lesen, insbesondere ab Seite 53, und grundsätzlich den gesunden Menschenverstand einzusetzen, wenn man unbekannte Bakterien züchtet. Petrischalen nach der Verwendung abkleben, für 20 Minuten auf 140 °C erhitzen und erst dann wegwerfen.
Für experimentell Ungeübte kann es zu Unfällen kommen. Dafür übernehme ich keine Haftung.
Was wird für den Nährboden in den Petrischalen benötigt?
Was sind Petrischalen
Eine Petrischale wird zur Kultivierung von Mikroorganismen und zur Zellkultur genutzt. Zu diesem Zweck wird in die Petrischale eine Schicht aus einer gelierten Nährlösung gefüllt.
Petrischalen wurden 1887 vom deutschen Bakteriologen Julius Richard Petri eingeführt und sind nach ihm benannt. Der Assistent von Robert Koch schlug langen Erlenmeier Kolben einfach den langen Hals ab, um den Boden zur Anzucht von Bakterien zu nutzen. Um die so entstandenen flachen Schalen vor Keimen aus der Umgebung zu schützen, kam er zusätzlich auf die Idee, dem ganzen einen Deckel aufzusetzen.
Was ist Agar?
Zum Gelieren wird Agar, auch als Agar-Agar bezeichnet, verwendet.
Dabei handelt es sich um ein Verdickungsmittel, das aus den Zellwänden von Rotalgen gewonnen wird.
Agar muss vor der Verwendung in einer Flüssigkeit aufgelöst und gekocht werden, damit es gelieren kann.
Zum Herstellen eines Nährbodens, auch Agarplatte genannt, ist es Ideal, da es bei Temperaturen unter 45 Grad fest ist.
Thermophile Bakterien wie Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus werden bei Temperaturen bis zu 42 °C im Wärmeschrank (Inkubator) kultiviert.
Eine Temperatur, bei der Gelatine schon lange anfängt zu schmelzen, die Temperatur liegt unter 35 Grad, während Agar erst bei Temperaturen ab 85 Grad schmilzt.
Wie wird der Nährboden steril?
Petrischalen in der ungeöffneten Verpackung sind steril. Steril bedeutet, dass auf einer Million (10000000) steriler Petrischalen nur noch 1 lebender Mikroorganismus zu finden sein darf.
Zu Haus füllen wir die Petrischalen mit einer Nährlösung aus gekörnter Brühe. Dabei besteht auch die größte Gefahr, die Petrischalen und den Nährboden zu kontaminieren.
Super sauberes Arbeiten ist dabei absolut notwendig.
Professionell wird die Nährlösung in einem Autoklav sterilisiert.
Im Autoklav herrscht ein Vakuum. Erzeugter Wasserdampf kann darin heißer als 100 Grad werden. Die Nährlösung wird dazu in Flaschen gefüllt und für 20 Minuten im Autoklav bei 121 °C sterilisiert.
Aber wer hat schon einen Autoklav zu Hause, ich nicht, noch nicht 😉
Daher koche ich die Nährlösung sprudelnd für 3 Minuten und fülle sie kochend heiß in die sterilen Petrischalen ab.

Der Nährboden für Petrischalen
Wie wir Menschen, haben unterschiedliche Bakterien, unterschiedliche Ernährungsweisen.
Möchtest du zum Beispiel Milchsäurebakterien auf dem Nährboden kultivieren, muss auch Milch in irgendeiner Form im Nährboden vorkommen.
Dafür gibt es einen speziellen Nährboden, der Chinablau-Lactose-Agar heißt.
Auch der pH-Wert spielt eine Rolle oder die Nährstoffzusammensetzung.
So sieht die Zusammensetzung eines Standard-Nährbodens in einem Produkt-Datenblatt der Firma Carl Roth aus:
Zusammensetzung in g/l (angenähert):
Pepton ……………………………….15,0
Hefeextrakt ………………………….3,0
Natriumchlorid …………………….6,0
Glucose ………………………………..1,0
Agar …………………………………..12,0
pH ………………………………7,5 ± 0,2
Ein Nährboden speziell um Salmonellen zu kultivieren ist in etwa so zusammengesetzt, wie im Beispiel hier unterhalb.
Wie du sehen kannst, sind es schon bedeutend speziellere Zutaten:
Zusammensetzung in g/l (angenähert):
Pepton………………………………..13,0 g
NaCl…………………………………….2,0 g
Dikaliumhydrogenphosphat…..5,0 g
Gallensalz…………………………….5,0 g
Chromogene…………………………0,2 g
Antibiotika-Supplement………..10 ml
Agar……………………………………14,0 g
pH…………………………………. 7,7 ± 0,2
Man kann sich diese und andere Zutaten natürlich irgendwo bestellen, im Prinzip eine ganze Laborausrüstung, aber wohin soll das führen?
In gekörnter Brühe sind ungefähr die gleichen Stoffe enthalten.
Hefeextrakt ist vielen sicher als Ersatz für Mononatriumglutamat bekannt und bei Natriumchlorid handelt es sich um Kochsalz.
Pepton ist einfach ausgedrückt eine Mischung von Fetten und Aminosäuren aus tierischen Proteinen und ebenfalls Bestandteil einer gekörnten Brühe, Bouillon oder eines Fleischextraktes.
Ein Nährboden einfach aus Brühe hergestellt funktioniert wunderbar, es können nur nicht alle Bakterien darauf wachsen.
Wie ich das gemacht habe, zeige ich in meinem Video über pasteurisierte Eier und in der danach folgenden Anleitung.
Am Ende des Beitrags findest du noch ein paar Links mit weiterführenden Artikeln zum Thema.
Nährboden für Petrischalen Video
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Petrischalen mit Nährboden selber machen
Kochutensilien
- Petrischalen
- Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis wie Sterilium oder Antifect
- Topf
- Messbecher
- grammgenaue Waage
Materials
- 260 g Wasser
- 4 g gekörnte Brühe Maggi, Knorr, etc...
- 3 g Agar
Anleitungen
- Das Wasser in einem Topf zum Kochen bringen und die Brühe einrühren.

- Die Brühe durch einen Filter gießen. Am besten eignet sich ein steriles Tuch. Eine ausgekochte Stoffwindel zum Beispiel. Ein Kaffeefilter, wie in meinem Beispiel kann ich nicht empfehlen, da es sehr lange dauert, bis die Brühe gefiltert ist. Sehr wahrscheinlich verstopft der Kaffeefilter sogar und die brühe bleibt im Filter stehen.

- In die gefilterte, abgekühlte Brühe das Agar mit einem Schneebesen einrühren und zurück in einen sauberen Topf geben. Die brühe zum Kochen bringen und für 3 Minuten sprudelnd kochen leasen.

- Arbeitsfläche und Hände gründlich mit einer alkoholischen Desinfektionslösung desinfizieren und so keimfrei wie möglich machen. Nacheinander eine Petrischale kurz öffnen und von der Nährlösung 40 ml in die Schale gießen. Sofort wieder mit dem Deckel verschließen. Die Petrischalen dabei übereinander stapeln. Dadurch wird die Ansammlung von Kondenswasser verringert.

- Die Nährlösung bei Raumtemperatur in ca. 20 Minuten abkühlen lassen. Wenn der Nährboden fest ist, die Petrischalen umdrehen, um zu verhindern, das Kondenswasser auf den Nährboden tropft und bis zur Verwendung in den Kühlschrank stellen.

Ich habe die Nährböden gemacht, um pasteurisierte Eier zu überprüfen.
Was wirst du mit den Petrischalen testen?
Schreibe mir gerne einen Kommentar, ich lasse mich gerne inspirieren.
Hilfreiche Links:
Autoklav – Dampfsterilisation wie geht das?
Petrischalen gießen und verschiedene „Rezepte“ für Nährböden.
https://www.onmeda.de/krankheitserreger/bakterienkultur.html
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10 Kommentare
lothar mayring
in einem Autokalven herrscht Uerberdruck und hinreichende Sterilitaet kann mit Omas Dampfkochtopt fuer 30 Minuten erreichen im Uebrigen esse ich einfach keine rohen Eier
Claudia W.
Ich plane, damit antibiotische Wirkung von bestimmten Pflanzen (aus denen ich Urtinkturen hergestellt habe) zu prüfen – und bei reproduzierbaren positiven Ergebnissen ein eigenes Antibiotikum herzustellen.
Sandra
Hallo!
Ich habe es jetzt einmal zuhause versucht, da hat es geklappt.
Nächste Woche werde ich es in der Schule in meinem Biologie Unterricht versuchen. Mal sehen ob es mit „alltags Bakterien“ auch funktioniert 😉
Wäre jedenfalls eine gute und vor allem billigere Variante, als ständig Laborbedarf zu bestellen 😀
T.B.
Hi,
ich bin nicht vollkommen sicher, aber soweit ich verstanden habe, braucht es einen Autoklav oder wie auch immer man ihn schreibt, um eine höhere Temperatur zu erreichen als bei Athmosphärendruck bei Meeresspiegel. Bei Normalnull sind 100 °C möglich (1Bar?). Wenn ich den Druck verringere, also beispielsweise auf dem Mount Everest kochen will, herrschen unter 1Bar Druck, die Siedetemperatur von Wasser sinkt, es werden also weniger und nicht mehr °C erreicht werden können. Im Autoklav wird daher ein Überdruck und nicht Unterdruck hergestellt, damit die Siedetemperatur ansteigt auf eben 121°C, so ähnlich wie bei einem Druckkochtopf, den daher viele alternativ nutzen. Einwände? Denn du schreibst, es herrsche Vakuum im Autoklav… LG Theodor
Nico Stanitzok
Diese Frage habe ich schon in einem anderen Kommentar beantwortet.
Jan
Insgesamt gut, nur steht, dass im Autoklaven ein Vakuum entsteht, das ist nicht richtig. Bei niedrigerem Druck sinkt die Temperatur, bei der Wasser kocht. Bei vollständigem Vakuum siedet Wasser auch bei Raumtemperatur. Ein Autoklav funktioniert wie ein Schnellkochtopf oder wie meine Oma immer sagt der Druckkessel, indem der Wasserdampf nicht entfliehen kann sondern in dem Behältnis gefangen ist, steigt der Druck und je höher der Druck desto höher ist der Siedepunkt. So wird auch vermutet das in dem flüssigen Erdkern im inneren nochmal ein fester Eisenkern ist, weil der Druck so hoch ist, das trotz der hohen Temperatur, das Eisen erstarrt.
Nico Stanitzok
Insgesamt gut ist in der Schule welche Note?
Nur ganz kurz, da ich für gewöhnlich meine Hausaufgaben mache, ein Zitat aus der Wikipedia.
Genauere Beschreibungen lassen sich bei Herstellern für medizinische Autoklave finden:
Kevin
Ich habe mir eine Box gekauft, Löcher hineingeschnitten und arbeite darunter, das sorgt für noch reinere Bedingungen.
Ansonsten, coole Anleitung
Felix Laube
Sehr hilfreich ich habe Ampezilin resistente Bakterien gezüchtet und erfolgreich eine Ratte infiziert
Nico Stanitzok
Hört sich nach einem gefährlichen Projekt an, Felix. Was ist das Ziel deines Experiments?
Ich hoffe, du wirst mit deinen Fähigkeiten auch ein funktionierendes Vakzin gegen Covid erfinden 😉